Logopädie

Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen

für Kinder und Erwachsene jeden Alters

Wir Menschen sind von Natur aus kommunizierende Wesen. Wir wollen uns ausdrücken, uns mitteilen und verstanden werden, wollen aber auch teilhaben und verstehen, um im Austausch mit uns (Mikrokosmos) und unserer Umwelt (Makrokosmos) zu sein. Dadurch finden wir letztlich zu uns, zu unserer Mitte und zur Glückseligkeit.“

Häufiges logopädisches Behandlungsspektrum

Logopädie für Kinder

Die Sprache ist das Tor zur Welt und wird in der frühesten Kindheit erworben.

In Absprache mit Ihrem Kinderarzt können wir ab einem Alter von zwei Jahren Testungen durchführen und Sie als Eltern beraten, wie Sie die Sprache und das Sprechen Ihres Kindes positiv unterstützen können.

Häufiges logopädisches Behandlungsspektrum

1. Verzögerter Sprechbeginn (‚Late Talker‘)

Die Sprachentwicklung verläuft bei Kindern recht unterschiedlich. Manche Kinder verfügen mit 18 Monaten schon über einen erheblichen Wortschatz, andere Kinder haben diesen Wortschatz vielleicht erst mit 30 Monaten. Beides ist anzutreffen und beides kann der normalen Sprachentwicklung von Kindern entsprechen. Manchmal zeigt sich aber auch, dass ein 30 Monate altes Kind deutlich zurückliegt im Vergleich zu anderen gleichaltrigen Kindern. Dann stellen sich Eltern oft die Frage, ob das noch passend ist oder nicht. Die Unsicherheit ist oft recht groß. Trotz einer großen Bandbreite innerhalb der kindlichen Sprachentwicklung können aufgrund der in den letzten 20 Jahren durchgeführten umfassenden Studien über die Sprachentwicklung von Kindern, nun genauere Aussagen getroffen werden. Spezielle Testungen wurden entwickelt, um möglichst frühzeitig eine Prognose zur Sprachentwicklung des Kindes erstellen zu können.

2. Auffällige Sprachentwicklung

Als Folge eines zu späten Sprechbeginns oder aus anderen Gründen, kann es vorkommen, dass Kinder den Wort-Schatz der Sprache nur unzureichend erwerben und von daher in ihren Ausdrucksfähigkeiten eingeschränkt sind. Eine Speicherproblematik in der auditiven (hörenden) Sinnesverarbeitung kann zugrunde liegen. Natürlich sind aber auch das Sehen, der Tastsinn und viele weitere Faktoren wichtig für eine gute Sprachentwicklung. Manchmal haben Kinder Wörter in ihrem Lexikon erworben, es fehlt ihnen jedoch zeitweise der Zugriff auf bestimmte Wörter. So äußern das ältere Kinder oft mit dem Kommentar: „das kenn ich, aber ich weiß nicht, wie das heißt“. In so einem Fall sprechen wir von einer Wortabrufstörung. Diese erschwert ebenfalls die Ausdrucksfähigkeiten, wodurch sich das Kind nicht differenziert mitteilen kann. Ein guter Ausdruck seines SELBST unterstützt jedoch eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung.

Oft geht mit den fehlenden Worten auch ein Dysgrammatismus einher. Davon sprechen wir, wenn ein Kind die grammatikalischen Regeln und Strukturen, wie Satzbau, Präpositionen, Verbflexionen usw. nicht altersgemäß erwirbt. Dies kann ein Hinweis auf Strukturprobleme im Allgemeinen sein, kann aber wiederum auch Folge von Wortschatzdefiziten und unverständlichem Sprechen sein. Auch hierbei ist es so, dass Kinder diese Regeln in bestimmter zeitlicher Abfolge der Sprachentwicklung erwerben. Durch entsprechende Testungen kann abgeklärt werden, ob sich ein Kind im zeitlichen Rahmen der Entwicklung seiner grammatikalischen Fähigkeiten befindet.

3. Unverständliches Sprechen – verbale Entwicklungsdyspraxie VED

Wenn ein Kind unverständlich spricht, kann das auch durch eine sogenannte „verbale Entwicklungsdyspraxie“ bedingt sein. Hierbei liegen Probleme in der Sprechbewegungsplanung und der Koordination der komplexen Bewegungsabläufe beim Sprechen vor. Obwohl es sich bei einer VED um eine Sprechstörung handelt, übt diese jedoch einen störenden Einfluss auf das gesamte sich entwickelnde Sprachsystem des Kindes aus. Demnach kann ein undeutliches Sprechen mit Wortschatzdefiziten, Dysgrammatismus und einer allgemein eingeschränkten kommunikativen Fähigkeit gemeinsam anzutreffen sein.

Wenn wir ein Kind schlecht verstehen, sollten wir daher sein Sprechen und seine Sprache besonders differenziert analysieren.

4. Stottern

In der Sprachentwicklung haben Kinder häufig Phasen, in denen Sprechunflüssigkeiten auftreten. Besonders dann, wenn sie beginnen, komplexere Sachverhalte, wie Erlebnisse, zu erzählen. Die gleichzeitige Anforderung an den Sprechvorgang, an dem über 100 Muskeln beteiligt sind, sowie Wortwahl und grammatikalische Regeln, stellen kurzzeitig eine Überforderung dar, wodurch sich das Kind behilft, indem es beim Sprechen „Warteschleifen“ einbaut. Das Kind spricht dann beispielsweise: „ da war ein großer Bagger, und dann und dann und dann ….“. Während dieser lockeren Wiederholungen hat das Kind die Möglichkeit, die komplizierten Abläufe des Sprechens und der Sprache zu koordinieren. Diese Phase dauert in der Regel nur ein paar Wochen, bis das Kind die nötige Sprechroutine hat, sodass Sprechdenken und Sprechen gleichzeitig ablaufen können. Dauert die Phase länger oder verkrampft sich ein Kind beim Sprechen, sollte das mit dem Kinderarzt besprochen werden.

5. Hörstörungen und Hörverarbeitungsstörungen

Bei angeborenen oder erworbenen Hörstörungen (z.B. durch chronischen Schnupfen) oder Hörverarbeitungsstörungen (eingeschränkte Verarbeitung auditiver Reize vom Gehirn), unterstützen wir mit individuellen Therapiemethoden, die das Hören, Hinhören, Lauschen und Unterscheiden von Geräuschen und Lauten fördern. Hierbei verwenden wir auch ein Hörtrainingsprogramm am Computer.

6. Phonetisch- Phonologische Störungen und Störungen der phonologischen Bewusstheit

Phonetische Störungen sind Lautfehlbildungen. In erster Linie sind dabei die Laute /s/ und /sch/ betroffen, die ein Kind artikulatorisch nicht korrekt bildet. Mit „phonologischen Störungen“ werden Fehler in der Lautverwendung bezeichnet. So hat beispielsweise ein Kind die Laute /k/, /sch/ oder /r/ bereits erworben, kann diese also produzieren, verwendet die Laute jedoch nicht an der richtigen Stelle im Wort. So spricht das Kind z.B. Loller statt Roller, obwohl das Wort „Reh“ richtig gesprochen wird.

Die phonologische Bewusstheit entwickelt sich ab dem vierten Lebensjahr. Dazu ist es notwendig, dass das Kind die Wörter überwiegend richtig ausspricht. Daher hängen Lautfehlbildungen und Lautverwendungsfehler eng mit einer eingeschränkten phonologischen Bewusstheit zusammen. Aber auch Hörstörungen und Hörverarbeitungsstörungen können diese Bewusstheit beeinträchtigen. Phonologische Bewusstheit bedeutet, dass Kinder sich zunehmend auf klingende Aspekte von Wörtern konzentrieren können. So erkennen sie ab dem Vorschulalter, dass sich Wörter reimen können, weil sie am Ende gleich klingen. Diese Bewusstheit auf lautliche Strukturen befähigt das Kind weiterhin zu erkennen, dass zum Beispiel das Wort „Schule“ mit einem /sch/ beginnt, während sich das /sch/ im Wort „Tasche“ in der Mitte des Wortes befindet und bei „Busch“ am Ende des Wortes.

Die Phonologie, also die richtige Lautverwendung und die phonologische Bewusstheit sind unter Anderem Voraussetzungen dafür, dass Kinder Lesen und Schreiben lernen können. Hierfür unterstützen wir mit vielfältigen, auf das Kind abgestimmten, therapeutischen Maßnahmen.

7. Myofunktionelle Störungen bei Zahnfehlstellungen

In der Myofunktionellen Therapie wird die am Schlucken beteiligte Muskulatur so aufgebaut, dass der Ablauf des Schluckens physiologisch abläuft. Bei einem falschen Schluckmuster schiebt die Zunge in der Regel zu stark nach vorne, wodurch der Kiefer verformt und die Zahnstellung der Frontzähne beeinträchtigt werden kann. Oftmals geht dies auch mit einer Lautfehlbildung, dem Lispeln, einher.

In Absprache mit dem Kieferorthopäden wird diese Therapiemethode meist vor der Zahnspangenbehandlung durchgeführt.

8. Unterstützte Kommunikation

Es gibt Kinder, die aufgrund unterschiedlicher Ursachen nicht oder nur sehr begrenzt zur Sprache kommen können. Damit diese Kinder trotzdem kommunizieren, sich ihrer Umwelt mitteilen und ihre Bedürfnisse äußern können, bedarf es alternativer Kommunikationsmöglichkeiten über Symbole oder technische Hilfsmittel.

Auch hierauf sind wir in unserer Praxis spezialisiert und können dem Kind behilflich sein bei der Förderung seiner sozialen Interaktionen und nonverbalen Interaktionen.

Logopädie für Erwachsene

Sprach- und Sprechstörungen bei Erwachsenen

Nach abgeschlossenem Spracherwerb kann infolge von neurologischen Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, Gehirnverletzung, degenerativen Erkrankungen, Morbus Parkinson) eine Sprach-und oder Sprechstörung entstehen. In der Fachsprache spricht man dann von einer Aphasie oder Dysarthrie.

Eine Therapie zur Förderung kommunikativer Fähigkeiten verbessert die Lebensqualität der betroffenen Person deutlich. Hierbei überprüfen wir, welche Bereiche der Kommunikation, ob Wortfindung, Sprachverständnis, Aussprache oder auch Bereiche der Schriftsprache, wie Lesen und Schreiben, beeinträchtigt sind, um einen individuellen Therapieplan zu erstellen.

Falls der Patient aufgrund seiner Erkrankung nicht mobil ist, kann die Therapie auch im häuslichen Umfeld stattfinden, sofern dies vom behandelnden Arzt verordnet ist.

Stimmtherapie

Stimme beginnt mit den Füßen

Eine gute Haltung beginnt mit einem festen Stand und ist Voraussetzung für eine freie Stimmgebung

Wenn Sie chronisch heiser sind, Ihre Stimme schnell ermüdet, das Sprechen anstrengend wird oder Ihre Stimme sogar komplett versagt, verordnet Ihnen der Arzt möglicherweise eine Stimmtherapie. Ursachen für eine Stimmstörung können vielfältiger Art sein. Neben Störungen oder Beeinträchtigungen am Stimmapparat gibt es viele Faktoren, die der Stimme zu schaffen machen können, wie zum Beispiel eine flache Atmung, trockene Schleimhäute, chronische Infekte, hormonelle Ungleichgewichte, Schilddrüsenstörungen, Reizstoffe aus der Umwelt, Reflux, Probleme an der Brust- oder Halswirbelsäule usw.
Ziel der Stimmtherapie ist es, die stimmliche Leistungsfähigkeit wieder herzustellen oder zu optimieren, sodass Sie wieder Freude am Sprechen haben und Ihre sozialen Kontakte pflegen können. Viele unserer Stimmpatienten haben uns berichtet, wie sie sich zunehmend isoliert und unverstanden fühlten, als ihre stimmlichen Ausdrucksfähigkeiten plötzlich oder schleichend nicht mehr gegeben waren, wodurch die Dringlichkeit auf Unterstützung deutlich wird.

In den individuellen Therapieplan fließen auch Elemente aus dem Bereich der Atemtherapie, der Rhetorik, der Gesangspädagogik und eventuell auch aus der Klangtherapie mit ein, je nachdem welche Methoden sinnvoll und zielführend für Sie sind.

Das Verständliche in der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, mit denen eine Reihe von Wörtern gesprochen wird, kurz, die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft: alles das also, was nicht geschrieben werden kann“ (Friedrich Nietzsche).